Anekdoten - Bürgergemeinde Augst

Bürgergemeinde Augst
4302 Augst
Schweiz


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Anekdoten

Geschichte
Augster Anekdoten
Diese Texte stammten aus "Augster Anekdoten" und "Müschterlius em Dorf"
abgloost und ufgschriebe vom Dieter Hartmann 1985
E Neger!
Bim Degen Hans sy ammen au Sache gange. Dört sy mer emol gsi. Mer hai e Chlapf im Gsicht gha und hai der Gloore Kari schwarz agstriche wiene Neger. Er isch eso hei, und si Frau isch am andere Morge z Tod verschrocke, won e Neger näben ihre im Näscht lyt!
                                                                                                              Fritz Kugler
Der Schaffner Bärti
Er isch e glungene Cheib gsi, het bösi Füess gha und isch drum immer in Turnschlappen ummegloffe. Gschigget het er au, aber i has guet chönne mit ein und han en duzt.
S isch während ein Chrieg gsi, woni vonere Turnstund heicho bi. Do isch dä Bärti undenuufe cho im Ueberchleid und mit eren Angel­ruete. I ha grad zum Gartetürli yne welle und säg: "Was isch, Bärti, hai si bisse?" No het er gsait: "Also, s isch nüt gsi do unde. Geschter zobe au nit hinderem Stehrwau (Stauwehrl). Das sy dummi Cheibe do z Bärn obe mit deere Verdunkelig. Die sölle doch (und er het ufe Vollmond zeigt) der Mond au verdunklel"
                                                                          
                                                                                                                       Max Degen
Der Gyger Joggi
Der alti Gyger Joggi isch e guete Sänger gsi. E chräftigi Stimm het er gha. Dä isch heicho vom "Bäre", won er achzgi gsi isch. No isch er durs Dorf dure gloffe und het gsunge: "Du stilles Dörf­lein, heut' seh' ich dich viel tausendmal t"Do isch e Chlag ycho an Gmeinrot wäge Nachtrueistörig. Weisch, was si däm Chleeger gschribe hai?Er müess sich z Augscht zerscht echlei agwöhne, bevor er söttig Sache schryb.
Fritz Kugler
Ein Stimmzettel
Benjamin Vögtlin stammte, wie es sein Name schon offenbart, aus einem der ältesten Augstergeschlechter. Seine Brötchen verdiente er in der Saline Schweizerhalle. Nebenamtlich war er aber auch noch Gemeindeweibel. Zu seinen Amtspflichten gehörte unter anderm das Anzünden und Auslöschen der Strassenbeleuchtung, die zu sei­ner Zeit aus ca. 10 Petrolfunzeln bestand. In Vollmondnächten wur­den diese jedoch nicht angezündet: von wegen Energiesparen. Herr­je, was könnten wir, was das Sparen anbelangt, von den Menschen von damals nicht alles lernen. Aber das nur nebenbei.
Im übrigen war jener Benjamin Vögtlin ein unterhaltsamer Fabu­lierer und Geschichtenerzähler, dem seine Enkelkinder - aber nicht nur diese - immer mit Begeisterung zuhörten, wenn er sein Garn zu spinnen begann. Auch besass er die seltsame und kostbare Gabe des Humors; und die vielen Fältchen um seine Augen verrieten unschwer, dass ihm ein kleiner Schalk im Nacken sass.
Item,so war der Benjamin Vögtlin, Gemeindeweibel, nebenamtlich. An einem Sonntag galt es nun, die Gemeinderäte zu wählen. Jeder­man machte sich deshalb mit gestärkter Hemdbrust - damals machte man's an den Sonntagen nicht darunter, wenn die verdammten Dinger auch noch so unbequem waren - auf die Socken zum Wahllokal. Nachher gab's im allgemeinen noch einen Frühschoppen, das heisst, wenn man gerade bei Kasse war, was in jenen Tagen nicht unbe­dingt immer der Fall zu sein brauchte.
Auch der Bejamin Vögtlin hatte die Absicht, stimmen zu gehen. Er hiess daher eines seiner Enkelkinder in die gute Stube hinauf­gehen, um den Zettel vom Tisch zu holen.
"Ist er das, Grossvater?" rief das Klärli, als es die Treppe herunterkam.
"Ja. '"Der sieht aber anders aus, als der vom Vater", meinte das Kind. "Er ist es trotzdem", sagte der Grossvater und gab dem Kind einen leichten Klaps auf die Wange, der allerdings mehr ein sanftes Streicheln war. Dann ging auch der Benjamin Vögtlin das Dorf hinauf, um seine Bürgerpflicht zu erfüllen.
Als am Nachmittag die Stimmen ausgezählt wurden, blieb ein Zet­tel übrig, auf dem keine Namen standen, sondern nur: Jesaia, Kap. 41, Vers 24.
Unter den Gemeindeobern begann ein Rätselraten. Nun ja, wer kennt sich in der Bibel so gut aus, dass er auf Anhieb sagen kann: Aha, das ist die und die Stelle, und die heisst so und so. Das kann nicht einmal ein Pfarrer, unter uns gesagt. Schlussendlich kreuzte aber einer mit dem Buch der Bücher auf, und nun wurde eifrig mit dem angefeuchteten Finger darin herumgeblättert. Nach langem Suchen von vorne nach hinten und von hinten nach vorne - merci, bereitete diese mühsame Sucherei aber einen fürchterlichen Durst - war endlich die Seite aufgeschlagen; und da stand schwarz auf weiss: "Ihr seid nichts, euer Tun ist nichts, und euch zu wählen ist mir ein Greuel."
Die Fama weiss zu berichten, dass die biederen Gemeindeväter zuerst ziemlich komisch aus der Wäsche geguckt haben, und eine ganze Weile wussten sie nicht so recht, ob sie sich ärgern oder ob sie nun lachen sollten. Nach einigen ziemlich derben Kraftwor­ten - die Bibel hatten sie aber vorher vorsichtshalber wieder zugeklappt, schliesslich wussten sie als getaufte Christenmen­schen, was sich gehörte - also nach einigen gesalzenen Kraftworten entschieden sie sich jedoch einstimmig für das Lachen.
Habe ich nun gesagt, der Benjamin Vögtlin habe den ominösen Zet­tel in die Urne geschoben? Habe ich nicht. Und wer so etwas behauptet, der lügt es in seinen eigenen Hals hinein. Man denke doch: Der Vögtlin Benjamin, seines Zeichens Gemeindeweibel im Nebenamt. Der wird doch seiner direkten Obrigkeit nicht so kräftig an den Wagen fahren.
Aber mich nimmt halt doch wunder, weshalb er an jenem besagten Wahlsonntag so ganz besonders aufgekratzt und vergnügt an seinem Tabakpfeifchen sog.
Möglicherweise war aber lediglich der Rindsbraten am Mittagstisch so ausgezeichnet gewesen, oder vielleicht freute er sich ganz einfach über den sonnigen und friedlichen Tag. Ja, so muss es wohl gewesen sein.
Fritz Stingelin
  • 27.10.2013 erste Aufschaltung, bearbeitet mit Frontpage (16'723 Besucher)
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Aktualisiert: 26.11.2017
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